Lebenskeiler

|   Jagdberichte

Das Leben eines Waidmanns und seine Träume

Josef Thoma, WESTFALIA JAGDREISEN

Artikel für Dr. Rolf Roosen (DJZ)

Andre Marc

 

Lebenskeiler: Das Leben eines Waidmanns und seine Träume

„Ein Jägerleben hat viele Träume,“ schrieb der Jagdschriftsteller H. Polke in seinem Buch Schwarze Passion (1985, S. 72) und für viele Waidmänner ist ein solcher jagdlicher Traum die Erlegung eines gewaltigen Lebenskeilers. Doch erst einmal alles der Reihe nach.

Zunächst möchte ich gerne eine kurze aber wahre Jagdgeschichte erzählen. Auf einer winterlichen Sautreibjagd in Rumänien stand ich mit einem örtlichen Oberförster am Fuße eines Hügels, während die anderen Jäger meiner Gastjägergruppe weiter unten im Tal abgestellt waren. Einzig einer meiner älteren Jagdfreunde stand oben auf der Kuppe des Hügels, da er wegen seines fortgeschrittenen Alters in diesem Gelände nur schlecht zu Fuß weiter kam und die Hügelkuppe mit dem Geländewagen einfach zu erreichen war. Als die Hunde nun eine Rotte Sauen aufgespürt hatten, sonderte sich ein starker Keiler seitlich in Richtung Hügelkuppe ab, während die restlichen Sauen genau auf die Schützen im Tal zuzogen. Bald hörte ich dort unten auch Schüsse – und auch einen einzelnen Schuss oben auf der Anhöhe.

Als nach diesem Treiben die vorläufige Strecke gelegt wurde, lag vor den Füßen des ältesten Jägers dieser Jagdgruppe ein wirkliches Hauptschwein, dem die anderen Schützen nur neidische Blicke zuwerfen konnten. „Das ist mein Lebenskeiler,“ verkündete der stolze Erleger, „und ich habe ihn ganz durch Zufall erlegt“. Einer der anderen Jäger aus diesem Kreise antwortet darauf etwas, was sicherlich viele in diesem Moment dachten: „Ich bin seit zwanzig Jahren Jäger, dazu noch passionierter Saujäger. Ich würde liebend gerne auch meinen Lebenskeiler auf der Strecke sehen – aber das einfach dem Zufall überlassen? Ich frage mich wirklich, ob man da nicht etwas machen kann, um gezielt auf so einen Keiler zu jagen und auch tatsächlich Chancen auf Erfolg zu haben.“

Genau das ist das Thema unseres heutigen Artikels. Es ist nämlich durchaus möglich und realistisch, ganz gezielt auf den Keiler aller Keiler zu waidwerken. Man muss nur wissen wo und wie – also in einem Jagdland und einem Gebiet, wo es solche hochkapitalen Spitzenkeiler auch tatsächlich gibt. Ich hatte des Glück, solch vielversprechende Jagdländer zu besuchen und dort mit meinen Jagdfreunden auf echte Bassen zu jagen. Natürlich mit Erfolg! Es ist jetzt meine Hoffnung, dass ich mit diesem Bericht auch den interessierten Lesern zur Erlegung ihres eigenen Lebenskeilers verhelfen kann – mit etwas Glück, natürlich.

Wir Waidmänner sind bei vielen Fragen und in vielen Bereichen des Lebens selten einer Meinung. Doch in der Frage nach dem Lebenskeiler herrscht auch bei uns Einstimmigkeit darüber, dass unsere Vorlieben diesbezüglich entweder um einen alten, kapitalen Bassen mit einem gewaltigen Körpergewicht von 150 oder 200 Kilogramm kreisen, oder aber in Richtung einer enormen Waffenstärke von über 22 Zentimetern Waffenlänge gehen. Für den einen ist also ein hochgewaltiges, massives Hauptschwein der „echte“ Lebenskeiler, vom dem er als Saujäger träumt; für den anderen wiederum ist es hingegen ein alter Urian mit hochkapitalem Gewaff. Diesem Zwiespalt folgt demnach auch die Gliederung unseres Berichtes. Zuerst stellen wir Ihnen die Jagdländer vor, in denen man körperlich gewaltige Monsterschweine vor die Büchse bekommen kann. Im Anschluss daran präsentieren wir Ihnen dann die Jagdmöglichkeiten in den Gegenden der Welt, in denen man am erfolgreichsten auf solche Keiler waidwerken kann, die sich vor allem durch hochkapitale Trophäenstärken auszeichnen.

Schwergewichtige Bassen aus dem Iran

Für uns Auslandsjäger ist es ein großes Glück, dass der Iran ausländischen Jagdgästen wieder offen steht; nicht nur wegen der einmaligen und vielfältigen Jagdmöglichkeiten, sondern auch weil der Iran ein Land mit aufregenden Wildarten und faszinierenden Landschaften ist, die sehr unterschiedlich sein können. Viele Teile des Landes sind Gebirge, Hochebenen, Halbwüsten und Wüsten, wo es zahlreiche Wildschafe und Wildziegen gibt. Nördlich von Teheran im Elburs-Gebirge und in den Küstenregionen des kaspischen Meeres hingegen findet man großflächige Urwälder aus Buche und anderen Laubbäumen, mit viel Buschwerk. In diesem idealen Lebensraum ist Schwarzwild mit außergewöhnlich hohen Körpergewichten und sehr starkem Gewaff zu finden. Dennoch ist der Iran immer noch eine Herausforderung für viele westliche Jagdagenturen und oft nicht in deren Programm zu finden. Man sollte deswegen darauf achten, für die Jagdreisebuchung eine seriöse und erfolgreiche Agentur zu finden, die auch entsprechende Referenzen vorweisen kann.

Im gebirgigen Elburs und in den Wäldern des kaspischen Meeres auf hochkapitale Bassen zu jagen ist ein Erlebnis von ganz besonderer Güte, dass oft auch mit einem großen Jagderfolg verbunden ist. Für meine Jagdfreunde und mich waren die Pirschgänge hier eine große Freude, weil man hier tagsüber unterwegs ist da das Schwarzwild hier in der Regel tagaktiv lebt. Auch starke, alte Keiler bekommt man hier im besten Büchsenlicht vor die Büchse. Eine Besonderheit sind Wildbeobachtungen und Ansitz am Fuße einzelner Berghänge, wo sich morgens hochkapitale Hauptschweine am Hang einschieben. Sobald man weiß, wo sich ein gewaltiger Keiler am Berghang im Gebüsch versteckt hält, kann man ihn angehen und sein Waidmannsheil versuchen, was immer sehr aufregend ist. In den hügeligen Tälern am Fuße der Berge kann man am Morgen und Abend vielversprechend pirschen – doch ist es eher ein Pirschstehen als Pirschgehen, bei dem man das Gelände mit vielen Rinnen und Gebüsch abglast. Sieht man dann Keiler die sich durch die Büsche davon stehlen, werden diese mit erfahrenen Jagdführern angegangen. Jagdlich ist diese Art der Jagd enorm reizvoll.

Alte Keiler weisen hier gewöhnlich enorm hohe Körpergewichte von bis zu 200 Kilogramm und mehr auf – genau das richtige Land also für Waidmänner die einmal ein echtes Monster auf der Strecke haben wollen. Ein Erlegerfoto mit einem solchen Koloss sorgt sicherlich bei jedem, dem man es zeigt, für große Augen!

Im nordöstlichen Iran nahe der Küste des Kaspischen Meeres kann man nicht nur erfolgreich und nach Herzenslust pirschen, sondern auch Drückjagden im kleineren Rahmen genießen. Auch für nur zwei oder drei Gastjäger können solche Sautreibjagden schon durchgeführt werden. Die bekannten Hauptwechsel des Schwarzwilds werden mit Schützen abgestellt und nur wenige Treiber durchstöbern große Flächen von Wäldern und Gebüsch und drücken die Keiler in Richtung der wartenden Jäger. Diese Jagdmethode ist sehr effektiv und ist oft von herausragendem Erfolg gekrönt.

Für iranische Sautreibjagden empfehlen wir die Monate Oktober bis Februar. In der Regel wird eine Reisewoche mit vier bis fünf Jagdtagen geplant. In den meisten Jagdgebieten sind staatliche Forsthäuser vorhanden, die den Gastjägern als angenehme Unterkunft dienen, mit vollem Service und üppiger Verpflegung.

Im Winterhaar sehen iranische Hauptschweine von 200 Kilogramm (also genau die Bedingungen für einen Lebenskeiler) enorm beeindruckend aus. Doch sie sind nicht nur schwer, sondern haben auch kapitale Waffen im Bereich zwischen 20 und 27 Zentimetern. Zu erwarten ist eine Gesamtstrecke von zwei bis vier Keilern pro Jäger, wenn man wirklich gezielt auf kapitale Stücke Ausschau hält. Diese Saujagden sind zwar teurer als in Osteuropa, dafür sind die Keilerabschüsse jedoch günstiger. Dazu später mehr.

Dicke Keiler in Weißrussland

Weißrussland gilt unter den Sau- und Hirschjägern immer noch als Geheimtipp, obwohl dort seit gut zwanzig Jahren hervorragende Sautreibjagden und günstige Hirschjagden (auf Hirsche mit hervorragenden Geweihen) für Gastjäger veranstaltet werden. Man muss sich nur ein paar Erlegerfotos mit gewaltigen Hauptschweinen aus Weißrussland anschauen, um zu sehen, was für Monsterkeiler dort immer wieder zur Strecke kommen. Darum geht es auch beim Lebenskeiler mit extremem Körpergewicht, der auf der Strecke wahrlich furchterregend aussieht – fast wie ein Bär. Im heimischen Revier gibt es solche Uriane lange nicht mehr, doch die Erinnerung an eine solche Zeit und eine unheimliche Begegnung der besonderen Art ist für viele Jäger fast ebenso wertvoll wie ein kapitales Gewaff.

Bassen im alter von sieben oder acht Jahren bringen in den weitläufigen weißrussischen Revieren oft Körpergewichte von 150 bis 200 Kilogramm auf die Waage. Ein gewaltiges Hauptschwein wog sogar ganze 235 Kilogramm – und zwar aufgebrochen! - und sah auf der Strecke „wie ein erlegter Wisent“ aus, wie die einheimischen Jagdführer treffend bemerkten. Waffenmäßig sind diese alten Keiler nicht ganz so herausragend. Zwar messen sie sie hier oft 20 bis 24 Zentimeter, doch sind reife Bassen aus dem Iran in der Regel mit deutlich stärkeren Waffen versehen.

Auf Schwarzwild kann in Weißrussland das ganze Jahr über gewaidwerkt werden. Für wirklich dicke Bassen empfehlen sich aber vor allem die Monate November und Dezember, sowie Januar und Februar. Dieses osteuropäische Land verfügt über geschultes Jagdpersonal, gepflegte Reviere, zünftige Unterkünfte und vorbildliche Jagdorganisation. Als Jagdgast genießt man dort oft rührende Gastfreundschaft und kehrt gerne dorthin zurück. Hier wird weniger gepirscht, weil der Ansitz an Kirrungen mehr Erfolg verspricht und starke Keiler an diesen Plätzen bestätigt sind, so dass man sich mit etwas Geduld sehr sicher seinen Traum vom schwergewichtigen Lebenskeiler erfüllen kann. In einem Revier können normalerweise auch zwei bis drei Gastjäger gleichzeitig jagen, die dann gemeinsam im Jagdhaus untergebracht sind. Die Gesamtstrecke pro Jäger liegt hier nach vier bis fünf Jagdtagen im Bereich von einem bis drei kapitalen Keilern. Die Servicekosten liegen bei etwa 1.100 Euro und die Abschüsse sind meist günstiger als anderswo, wenn man bedenkt, dass man für eine Waffenlänge von 20 Zentimetern etwa 1.150 Euro bezahlt und für 24 Zentimeter etwa 1.900 Euro. Das können sich einmal im Leben (sozusagen als Krönung der eigenen Schwarzwildjagd) auch Jäger leisten, die finanziell nicht auf Rosen gebettet sind.

Schwergewichte aus Bulgarien

Wilde osteuropäische Jagdgründe haben schon immer eine besondere Anziehungskraft auf deutsche Jäger gehabt. Davon zeugen beeindruckende Erleger- und Streckenfotos mit kapitalen Keilern in alten Jagdzeitschriften und Büchern, die uns auch heute noch inspirieren. Ein weiteres Ziel in Osteuropa ist für den Waidmann, für den ein schweres Hauptschwein der Lebenskeiler ist, natürlich das wilde Bulgarien. Auch hier wiegen die sieben- bis achtjährigen Bassen zwischen 150 und 200 Kilogramm, noch dazu mit kapitalen Waffen von 22 bis 26 Zentimetern. Für eine solche Jagdreise wählt man erfahrungsgemäß am besten die Monate Dezember bis Februar. Bulgarien hat eine lange Tradition des Jagdtourismus und viele der großzügig eingerichteten Jagdhäuser stammen noch aus sozialistischer Zeit, in der man mit ausländischen Jagdgästen wertvolle Devisen erwirtschaftet hatte. Auch viele andere Jagdeinrichtungen wie z.B. besonders geräumige Kanzeln für den Nachtansitz stammen aus dieser Zeit.

In den meisten Schwarzwildrevieren in Bulgarien wird überwiegend die Ansitzjagd gepflegt. An mehreren Kirrungen stehen große und bequeme Kanzeln und das Jagdpersonal ist gut informiert über die Qualität des Wildes. Kapitale Stücke sind in der Regel bestätigt, so dass man ihnen ganz gezielt nachstellen kann. Für eine solche Jagd sollte man eine Reisewoche mit fünf Jagdtagen einplanen, dann kann der Jäger mit einer Gesamtstrecke von einem bis drei kapitalen Keilern rechnen. Dabei fallen Servicekosten von etwa 1.600 Euro an, für eine Trophäe von 20 Zentimetern Waffenlänge bezahlt man dazu noch etwa 1.000 Euro, für 22 Zentimeter etwa um 1.600 Euro.

Türkische Monsterkeiler

Wer seinen schwergewichtigen Lebenskeiler gerne etwas günstiger auf der Strecke haben möchte, für den empfiehlt sich ganz besonders die Jagd in den bergigen Schwarzwildrevieren im Norden der Türkei, nahe der Küste des Schwarzen Meeres. Hier gibt es die wahrscheinlich mit günstigsten Keilerjagden überhaupt, was sie natürlich unter preisbewussten Auslandsjägern besonders populär macht. Auch wir können diese Jagden ohne Einschränkung empfehlen und nach unseren bisherigen Erfahrungen sind die Jagden hier mit etwas Jagdglück sehr erfolgversprechend.

Da man hier vorwiegend in bergigem Gelände unterwegs ist, sind diese Jagden eher etwas für sportlichere Jäger. Ansitzjagden gibt es hier in der Regel nicht und man ist ausschließlich auf der Pirschjagd unterwegs. Auch hier sind alte, starke Bassen zu erwarten, mit Körpergewichten von etwa 100 bis 150 Kilogramm und Waffenlängen im Bereich 19 bis 26 Zentimeter. An der Schwarzmeerküste werden Saujagden das ganze Jahr über veranstaltet, besonders empfehlen wir aber die Monate November bis Dezember, sowie bis zum Mai. Vier Jagdtage sind hier die Regel und unter optimalen Bedingungen erwartet man realistisch durchaus dass jeden Tag mindestens ein Hauptschwein zur Strecke kommt. Alte Keiler gibt es hier nämlich eine Menge und die örtlichen Jagdführer wissen in der Regel ganz genau, wo diese zu finden sind.

Schwarzwildjagden in der Türkei werden oft pauschal angeboten, für etwa 1.600 Euro inklusive des stärksten erlegten Keilers und Servicekosten für fünf Tage. Weitere Abschüsse werden nach Preisliste abgerechnet, für einen zusätzlichen Bassen mit einer Waffenlänge von 20 Zentimetern etwa muss man ca. 1.250 Euro bezahlen, aber selbst für eine hochkapitale Trophäe von 26 Zentimetern sind es nur etwa 1.750 Euro – und solche Trophäen kommen hier immer wieder zur Strecke.

Rumänische Kolosse

Seit seiner Öffnung für die Auslandsjagd Anfang der 1990er Jahre hat Rumänien eine wechselvolle Geschichte des Jagdtourismus mit allen Höhen und Tiefen erlebt. Auch heute nach der Privatisierung vieler Reviere bleibt die Wilderei ein Problem, doch gibt es hier auch erstklassige Jagdreviere mit hohem Wildbestand und hervorragender Trophäenqualität, weswegen Rumänien weiterhin ein wichtiges Jagdland für den Waidmann bleibt, der einmal in seinem Leben ein schwergewichtiges, kapitales Hauptschwein erlegen möchte. Hier wird ein solcher Koloss von 100-150 Kilo natürlich nicht mit einem Wisent verglichen wie in Weißrussland (Wisente gibt es in Rumänien frei lebend nicht mehr), sondern mit dem heimischen Bären: ein Keiler wie ein Bär, das ist fast schon ein geflügeltes Wort hier und so einen Bassen wünscht sich natürlich jeder leidenschaftliche Saujäger.

In den Vorbergen der rumänischen Karpaten gibt es heute noch Monsterkeiler von 200 Kilogramm Körpergewicht und mehr, wie sie in den alten Fotos aus Jagdbüchern der berühmten Karpatenschriftsteller zu sehen sind. Waffenmäßig liegen solche Keiler zwischen 20 und 24 Zentimetern und haben schon immer die Fantasien der passionierten Saujäger beschäftigt. In der Winterdecke wirkt solch ein Keiler natürlich ganz besonders imposant und die beste Jagdzeit liegt hier sowieso in den Wintermonaten November bis Dezember, bzw. Januar/Februar. Wie in Bulgarien ist auch hier die Hauptjagdmethode die Ansitzjagd an der Kirrung. In einigen Revieren sind die kapitalen Bassen bestätigt, in anderen nicht (auch wenn es sie auch dort gibt) – ein seriöser Anbieter weiß hier genauestens Bescheid. Als Unterkunft dienen in den Vorkarpaten einfache Jagdhäuser oder Landhotels, als Verpflegung gibt es die landesübliche Hausmannskost. Bei Basiskosten von etwa 1.000 Euro werden Trophäen nach Preisliste abgerechnet: 20 Zentimeter Waffen etwa 800 Euro, 24 Zentimeter etwa 1.400 bis 1.500 Euro. Bei einer viertägigen Jagd erwartet man eine Gesamtstrecke von einem bis zwei kapitalen Stücken.

Mordskeiler aus Tadschikistan

Das zentralasiatische Land Tadschikistan ist unter Auslandsjägern nicht nur für seine Marco-Polo-Schafe und Steinböcke berühmt, sondern seit neuestem auch für hochkapitales Schwarzwild. Starke Bassen weisen hier oft auch große Körpergewichte von 100 bis 200 Kilogramm auf, außerdem haben sie enorme Waffenlängen (in der Regel 20 bis 27 Zentimeter, aber immer wieder auch 28 oder sogar 30 Zentimeter). Was solche Riesenkeiler betrifft gilt Tadschikistan immer noch als Geheimtipp, jedoch ist das Land eher für sportlichere Waidgenossen geeignet, die in der Lage sind, viel in bergigem Gelände zu pirschen. Wie in der Türkei gibt es hier keine Ansitzjagd.

Der Jäger fliegt in die tadschikische Hauptstadt Duschanbe, dann geht es mit dem Auto in drei bis vier Stunden nach Süden ins Jagdgebiet. Das Schwarzwild ist hier tagaktiv, so dass man viel Zeit auf der Pirsch verbringen kann. Die Unterbringung erfolgt in einfachen Jagdhäusern ohne fließendes Wasser, die Toiletten sind in der Regel draußen. Jedoch gibt es oft russische Banjas (Dampfsaunas) und das Essen ist in der Regel gut. Der Jäger ist etwa eine Woche unterwegs bei fünf Jagdtagen, die Servicekosten belaufen sich auf etwa 1.600 Euro. Die Abschussgebühren sind in der Regel günstig, für Keilertrophäen von 20 Zentimetern zahlt man etwa 800 Euro, für 25 Zentimeter lediglich 1.200 Euro – und solche kapitalen Hauptschweine gibt es hier wirklich.

Wie man sieht gibt es heute genügend ausgezeichnete Jagdmöglichkeiten für Jäger, die einmal in ihrem Leben einen Mordskeiler mit gewaltigem Körpergewicht auf die Decke legen wollen. Doch gibt es natürlich auch viele Jäger, denen besonders die Waffen der Keiler wichtig sind. Im abschließenden Teil dieses Berichts widmen wir uns also nun den Bassen, die sich besonders durch ihr enormes Gewaff auszeichnen und zeigen einige Jagddestinationen auf, in denen der Jäger sich seinen Traum von solch einem Lebenskeiler verwirklichen kann.

Iran und Bulgarien

In den gleichen Jagdgebieten wie eingangs schon einmal vorgestellt kann der Jäger auch einen Lebenskeiler mit außergewöhnlicher Waffenstärke zur Strecke bringen, wenn für ihn das Gewaff den Lebenskeiler ausmacht. Solche Wahnsinnsbassen von 24 Zentimetern Waffenlänge und mehr sind im Iran durchaus realistisch, mit einem Quäntchen Glück sogar bis 27 Zentimeter. Hier lebt ein herausragender Stamm des Schwarzwildes, was sich in einer großen Breite der Waffen und Haderer zeigt und entsprechend viele Punkte bei der Trophäenbewertung bringt.

Eine solche Jagd im Iran kann der Jäger Ab Oktober bis Ende Februar in Angriff nehmen und während fünf Jagdtagen kann mit mindestens einer Keilertrophäe der Extraklasse gerechnet werden. Ein Lebenskeiler sollte also hoffentlich dabei sein, vielleicht sogar zwei. Da hier pauschal abgerechnet wird und alle Waffen über 20 Zentimeter nur 1.300 Euro kosten, lohnt es sich, ganz gezielt auf hochkapitale Stücke zu waidwerken, die anderswo doppelt so viel kosten würden.

Auch in Bulgarien kann der Waidmann mit hoher Wahrscheinlichkeit seinen Lebenskeiler erlegen, allerdings zu einem deutlich höheren Preis als im Iran (dafür muss man nicht so weit fliegen). Ein 24-Zentimeter Keiler kostet im Iran gerade mal 1.300 Euro, in Bulgarien jedoch mehr als doppelt so viel mit stolzen 2.800 Euro – und es gibt hier auch noch stärkere Bassen (mit Waffen bis 26-27 Zentimeter) die dann noch teurer sind. Zwar ist die Keilerjagd hier relativ teuer, doch alles ist sehr professionell organisiert und die Erfolgsquote ist sehr hoch, besonders bei den Spitzenkeilern, die es in Bulgarien zur Genüge gibt. Wir empfehlen die Monate Dezember bis Februar und sind der Meinung, dass dort jeder Mordskeiler sein Geld absolut wert ist.

Türkei, Tadschikistan und Rumänien

Oben haben wir darüber berichtet, dass im Nordosten der Türkei an der Schwarzmeerküste die Hauptschweine sehr hohe Körpergewichte aufweisen. Im anderen Hauptjagdgebiet für Schwarzwild in der Türkei im Südwesten, am Mittelmeer, sind die reifen Keiler gewichtig nicht so herausragend. Doch sind diese Keiler ebenso stark im Gewaff und in beiden Regionen kommen Keiler zur Strecke, die für die Jagdgäste immer wieder Lebenskeiler sind. Unter den zwei bis drei Bassen, die hier nach vier Jagdtagen in der Regel auf der Strecke liegen, ist in der Regel ein Mordskeiler mit Waffen zwischen 24 und 25 Zentimetern dabei.

Für Waffen von 24 Zentimetern zahlt man etwa 1.750 Euro, als Termin empfehlen wir die Monate November/Dezember oder später März bis April; im Januar und Februar liegt in den bergigen Jagdrevieren oft zu viel Schnee.

In beiden erwähnten Hauptjagdgebieten jagt man in bergigen Gegenden, in denen nur gepirscht wird. Die Jagden sind aber nicht allzu anstrengend, da man sehr weit mit dem Auto fahren kann und die anschließenden Pirschgänge auch weniger sporlichen Jägern zuzutrauen sind. In der Türkei hat man eine clevere und effektive Jagdmethode entwickelt, die in dieser Form wohl kaum irgendwo sonst zu finden ist. In den Gegenden mit nachweislich starken Keilern werden auf einer Strecke von zwei bis drei Kilometern mehrere Kirrungen angelegt, die regelmäßig beschickt und kontrolliert werden. Der Gastjäger kommt mit dem Geländewagen an und pirscht dann mit seinem erfahrenen Jagdführer abends oder in der Nacht von Kirrung zu Kirrung, alles sehr vorsichtig und unter aufmerksamer Beobachtung, da an jeder Kirrung das Hauptschwein stehen kann.

Ein ähnliches Gelände erwartet den Jäger auch auf der Keilerjagd im zentralasiatischen Tadschikistan. Bei den dortigen Bassen, die in der Regel älter als sieben Jahre alt sind, rechnet man mit einer Waffenlänge von 22 bis 25 Zentimetern, doch mit etwas Glück sind auch bis zu 30 Zentimeter möglich. Die Abschussgebühren für Keiler mit 24 Zentimetern Waffenlänge liegen bei 800 Euro, was man ohne Zweifel als sehr günstig bezeichnen kann.

In den rumänischen Karpaten kostet ein 24-Zentimeter-Keiler 1.200 Euro und die Strecke nach vier Jagdtagen ist in der Regel etwas bescheidener, man rechnet hier mit mindestens einem Keiler der Spitzenklasse. Die Monate November, Dezember und Januar gelten als besonders erfolgversprechend, was sich unserer Erfahrung nach immer wieder bestätigt hat. Um die Lange Anreise mit dem Auto in die rumänischen Vorkarpaten zu umgehen, kann man nach Bukarest fliegen und dann mit einem Inlandflug den jeweiligen Zielflughafen anfliegen, der dem gewählten Jagdgebiet am nächsten ist. Von dort geht es mit dem Auto zum Jagdhaus oder Landhotel, wo man während der Jagd untergebracht ist.

Eingangs erzählte ich die Geschichte, wie mein alter Jagdfreund seinen Lebenskeiler auf der Sautreibjagd in Rumänien erlegen konnte. Sein Jagdglück war ein Zufall, wie er immer wieder beim winterlichen Sautreiben vorkommen kann. Doch Zufallsglück ist ein schwacher Trost für die Jäger, denen einen Lebenskeiler bisher versagt geblieben ist. Durch gute Vorbereitung und Auswahl der richtigen Jagd kann man aber dem Zufall ein Schnippchen schlagen und ich hoffe, dass dieser Bericht passionierten Saujägern dabei helfen kann, sich endlich den überfälligen Traum vom Lebenskeiler zu erfüllen. Wir wünschen dafür viel Waidmannsheil!

 

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